Heinrich Seuse, lateinisch Suso genannt, gehört neben seinem berühmten Lehrer Meister Eckhart und dem ebenfalls dominikanischen Mystiker Johannes Tauler zum Dreigestirn der sog. Deutschen Mystik. Vermutlich 1295 in Überlingen (im Suso-Haus) oder Konstanz geboren, trat er ca. 1308 ins Dominikanerkloster (heute Inselhotel) in Konstanz ein, durchlief dort die ordensübliche Ausbildung und lernte danach im Studium generale seines Ordens in Köln Meister Eckhart kennen, dessen mystische Lehre ihn nachhaltig beeinflußte.

Seine im Alter von 40 Jahren gewonnene Einsicht in die Heilsnotwendigkeit alleine des von Gott gegebenen Leidens brachte ihn von seinen exzessiven körperlichen Selbstzüchtigungen ab und öffnete sein zuvor einsiedlerisches Klosterleben für eine aktive Missions- und Seelsorgetätigkeit, die ihn allerdings neuen inneren und äußeren Leiden aussetzte. Seit 1347/48 bis zu seinem Tod 1366 lebte er im Ulmer Konvent seines Ordens, wo er auch seine literarisch hochwertigen geistlichen Schriften in deutscher Sprache zu einer Sammlung (das sog. „Exemplar") zusammenstellte, die drei Monographien und eine Briefsammlung umfaßt. Sein Selbstverständnis als Diener der Ewigen Weisheit (Christi) bestimmt den christozentrischen Charakter seiner Mystik einer ganzheitlichen Nachfolge des leidenden und gekreuzigten Christus.

Im Jahre 2007 gründete sich der Verein des Gedenkens an den Mystiker und Dichter vom Bodensee Heinrich Seuse e.V. mit Sitz des Suso-Haus in Überlingen am Bodensee. Er setzt es sich zum Ziel, die Quellgedanken mittelalterlicher Mystik für unserer Zeit fruchtbar werden zu lassen.